Banner_Newsletter09

Über unsere Arbeit informiert ein mehrmals jährlich erscheinender Newsletter. Zu bestellen sind die Newsletter direkt über unser Online-Formular.

Tätigkeitsprofile von Integrationscoaches und Bildungsbegleitern
im Vergleich

Jörg Hutter

Auf Wunsch des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hat der Nordverbund dem Ministerium Anfang September 2004 ein Positionspapier vorgelegt, welches das Tätigkeitsprofil der Integrationscoaches umfassend illustriert. Denn mittlerweile ist die Notwendigkeit einer solchen Dienstleistung seitens der Bildungsträger unumstritten. So hat die Bundesagentur für Arbeit im Rahmen ihres neuen Fachkonzeptes die Stelle eines Bildungsbegleiters fest in die Berufsausbildungsvorbereitung integriert. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung in der Bildungsbegleitung von Jugendlichen und der Beratung und Betreuung von ausbildenden Betrieben sind wir Lage gewesen, dieses Aufgabenfeld präzise zu beschreiben und die dazu notwendigen Qualifikationen zu benennen.

Lehrgänge der Berufsvorbereitung:
Teilnehmer beim Einrichten einer Ständerbohrmaschine

Wir haben in einem entsprechenden Artikel dargelegt, dass die Integrationscoaches in Abgrenzung zu den Bildungsbegleitern über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden und dass sie die Integrationsbemühungen aller an der beruflichen Bildung beteiligten Instanzen miteinander verzahnen.
Der Einsatz der Integrationscoaches lässt sich daher nur schwer in das enge Korsett einer berufsvorbereitenden Regelfinanzierung pressen. Der weiteren Debatte innerhalb der vom Bildungsministerium initiierten Entwicklungsplattform „Gewinnung des Lernortes Betrieb“ wird es vorbehalten sein, hierzu praktikable Lösungen zu entwickeln und vorzuschlagen.

Abdruck des gesamten Artikels siehe unter: Der Integrationscoach – ein Scout für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf auf ihrem Weg von der Schulabgangsklasse bis zum Ausbildungsabschluss, 20.09.2004 [Integrationscoach].
 

 

Berufsausbildungsvorbereitung nach den neuen Ausschreibungsrichtlinien

Jörn Klitzing, Martin Krebs Ute Vatter, Frank Weber

In den Monaten August/September 2004 haben bei den Bildungsträgern des Nordverbundes die neuen Lehrgänge der Berufsausbildungsvorbereitung begonnen. Entsprechend der neuen Richtlinien starteten diese mit einer so genannten Eignungsanalyse.

Jugendlicher demonstriert das Verlegen von Pflastersteinen

Berufsausbildungsvorbereitung:
Jugendlicher demonstriert das Verlegen
von Pflastersteinen

Das Angermünder Bildungswerk hat den Zuschlag für ein Los zu den Gewerken Wirtschaft und Verwaltung, Bau, Holz, Metall, Hotel und Gaststätten sowie Hauswirtschaft erhalten und betreut gegenwärtig 56 Jugendliche.

Das Bildungszentrum Bremen (Internationaler Bund) führt ab Oktober 2004 in Bremen keine berufsvorbereitenden Maßnahmen mehr durch. Statt dessen hat der Internationale Bund seine Lehrgänge in Rotenburg/Wümme in den Nordverbund integriert. Der Internationale Bund betreut in Rotenburg 120 Jugendliche. Das entsprechende Los der Bundesagentur für Arbeit benennt hier die Berufsfelder Metall, Holz, Farbe/Raumgestaltung, Lager/Handel, Wirtschaft/Verwaltung, Hauswirtschaft und Hotel/Gaststätten.

Jugendbildung Hamburg hat den Zuschlag zu insgesamt sechs Losen mit 400 Teilnehmern bzw. Teilnehmerinnen erhalten. In diesen werden die Gewerke Lager/Handel, Wirtschaft/Verwaltung, Metall, Holz und Installationstechnik, Elektro und Metall sowie Farbe, Landschaftsbau und Bau abgedeckt. Die einzelnen Lehrgänge finden an insgesamt sieben verschiedenen Hamburger Standorten statt und werden zum Teil mit einer anderen Bildungseinrichtung durchgeführt.

Handlungsfeld Maler und Lackierer: Jugendlicher beim Streichen

Handlungsfeld Maler und Lackierer: Abgleich von Berufswunsch, eigenen Fertigkeiten und betrieblichem Arbeitsalltag

Das Schweriner Ausbildungszentrum ist derzeit der einzige Bildungsträger im Nordverbund, der seine berufsausbildungsvorbereitenden Lehrgänge in Anlehnung an das neue Fachkonzept der Bundesagentur für Arbeit und nach den Vorgaben des Modellvorhabens der neuen Förderstruktur durchführen kann. Betreut werden insgesamt 144 Jugendlichen in den Bereichen Metall, Bau, Informationstechnologie, Holz, Maler, Hauswirtschaft, Gastronomie, Verkauf, Pflege, Garten, Küche, Haar– und Körperpflege, Büro, Kunststoff und Elektro statt.

In den jeweiligen Lehrgängen erhalten die Jugendlichen einen Einblick in mehrere Berufsfelder. Diese Qualifizierungsphasen werden dann nach den Vorgaben der Bescheinigungsverordnung als Qualifizierungsbausteine zertifiziert. Sie dienen damit der Vorqualifizierung für ein betriebliches Praktikum sowie der später angestrebten Ausbildung in einem Unternehmen. Um die Verzahnung mit der betriebsnahen Qualifizierung sicher zu stellen, akquirieren und betreuen die Bildungsbegleiter bzw. Integrationscoaches darüber hinaus die ausbildungsbereiten Unternehmen.

 

Kritische Anmerkungen zu den neuen Berufen der Berufsausbildungsvorbereitung

Jörg Hutter

Die Bundesagentur für Arbeit hat mit ihrem Fachkonzept und den neuen Ausschreibungsrichtlinien für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen die wesentlichen Erkenntnisse und Arbeitsresultate des unter dem Label Nordverbund agierenden Modellvorhabens und der unter dem Namen „Neue Förderstruktur“ firmierenden Modellversuchsreihe in die Regelfinanzierung übernommen. Hierzu zählen die Aufteilung der Lehrgänge in unterteilbare Qualifizierungsabschnitte (Qualifizierungsbausteine) sowie die verbindliche Verankerung von Verfahren der Kompetenzfeststellung zu Beginn der einzelnen Kurse. Besonders zu begrüßen ist, dass der Verzahnung von außerbetrieblicher und betrieblicher Qualifizierung ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Die Integration in betriebliche Ausbildungsverhältnisse avanciert gewissermaßen auch für die Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf zum Königsweg einer berufsvorbereitenden Qualifizierung.

Gleichwohl scheint der Erfolg dieser Neuausrichtung durch widersprüchliche Einzelbestimmungen und inkonsequente Ausführungsrichtlinien gefährdet. Die praktischen Erfahrungen bei der Umsetzung sollten daher dazu genutzt werden, entsprechende Anwendungsregeln zu präzisieren und weiter zu entwickeln sowie problematische Vorgaben zu korrigieren bzw. zu revidieren.

VorbereitVorstellungsgespräch: Präsentationsvorbereitung am PC

Schlüsselqualifikation Selbstdarstellungskompetenz: Teil des Bewerbungstrainings

Neben unseren Vorschlägen zur Tätigkeit der Bildungsbegleiter verweisen wir hier auf die folgenden verbesserungswürdigen Teile des Fachkonzeptes und der entsprechenden Verdingungsunterlagen.

Die Einführung des Begriffes Eignungsanalyse hat die Schwierigkeiten, die mit derartigen Verfahren verbunden sind, eher verstärkt als abgemildert. Obwohl hier ein neuer Terminus eingeführt wird, fehlt es an einer konzeptionellen Definition. Der durch die Neuschöpfung eher vergrößerte Begriffsdschungel verstellt den Blick auf die Frage, welche Fähigkeiten denn ganz konkret die Ausbildungsfähigkeit bestimmen bzw. welche Schlüsselqualifikationen es denn tatsächlich sind, die den Einstieg in eine betriebliche Ausbildung sicher stellen. Leider entziehen sich auch die meisten auf dem Markt nur käuflich zu erwerbenden Verfahren einer kritischen Überprüfung, da sie nicht öffentlich zugänglich sind. Anzunehmen ist, dass derzeit unterschiedlichste Eignungen festgestellt werden und hierbei nicht klar ist, inwiefern diese überhaupt Ausbildungsreife messen.

Des weiteren sollen die Angebote flexibel und durchlässig gestaltet sein, indem Ein– und Umstiege innerhalb der Lehrgänge sowie zeitnahe Übergänge in andere passgenaue Bildungsangebote möglich sein sollen. Diesem Credo widersprechen jedoch die starren Zuschnitte der einzelnen Lose auf einzelne Berufe bzw. Berufsfelder geradezu eklatant. Mit der Koppelung der Lose an einzelne Gewerke vollzieht die Bundesagentur geradezu eine Rolle rückwärts und landet genau an dem Ausgangspunkt, von dem sich ihr Fachkonzept bereits emanzipiert hatte: in dem starren Panzer einer Maßnahme.

Dieser Trend ist deshalb so misslich, da die Maßnahmen alter Couleur bereits flexibler ausgestaltet und beispielsweise das Berufswahlspektrum für Jugendliche mit schlechten Startchancen deutlich erweitert hatten. Gerade innerhalb des Nordverbundes konnten wir nachweisen, dass diese Jugendlichen nach entsprechender Vorqualifizierung betriebliche Ausbildungen in durchaus anspruchvollen Berufen erfolgreich abschließen konnten, etwa in dem des Mechatronikers oder innerhalb der IT– und Medienberufe.

Jugendlicher beim Hobeln in der Holzwerkstatt

Berufliche Orientierung und Vorbereitung: Jugendlicher beim Hobeln in der Holzwerkstatt

In den neuen Ausschreibungen finden sich hingegen schwerpunktmäßig Loszusammenstellungen der klassischen Benachteiligtenberufe: vom Metallbauer über Maler– und Lackierer bis hin zum Tischler und der Fachkraft für das Gastgewerbe. Da die Bildungsträger entsprechende Ausbildungsstätten nur für die in den Losen zusammengestellten Gewerke bereit halten müssen, werden die Jugendlichen mangels fehlender Vorqualifizierung kaum noch in betriebliche Ausbildungsverhältnisse der neueren Berufe vermittelt werden können. Eine derartige Förderung ignoriert nicht nur die in Modellprojekten gewonnenen Erkenntnisse, sie verschließt sich auch der heutigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Schließlich darf beim Rückblick auf die ersten Erfahrungen im Rahmen der berufsvorbereitenden Lehrgänge der Hinweis auf die prekäre Stellensituation nicht fehlen. Unbestritten hat sich die Aufgabenpalette von Bildungsbegleitern, Sozialpädagogen und Ausbildern wesentlich erweitert.

Eine an den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Jugendlichen ausgerichtete Förderung ist schon aufgrund der Bewältigung der logistischen und organisatorischen Anforderungen um vieles arbeitsintensiver als ein für alle Beteiligten gleich gestalteter Förderunterricht.

Hinzu kommt, dass die Jugendlichen ja nicht nur auf einen betrieblichen Praktikums- und/oder Ausbildungsplatz vermittelt werden sollen. Sie sollen diese Plätze ja auch besetzen und die betriebliche Qualifizierung bis zum Ende erfolgreich durchführen. Die Arbeit mit den Firmen erfordert einen hohen Zeitaufwand. Dies gilt um so mehr, wenn Unternehmen (wieder) mit förderungswürdigen Jugendlichen zusammen arbeiten sollen. Den betrieblichen Bedenken muss durch entsprechende arbeitsintensive Begleitung der Firmen sowie der gezielten Betreuung der Jugendlichen Rechnung getragen werden.

Zu bedenken ist zudem, dass die Etablierung eines neuen Konzeptes einen höheren Personaleinsatz erfordert. Dies gilt insbesondere für diejenigen Bildungsträger, die mit den neuen Arbeitstechniken in Modellversuchen noch keine Erfahrung sammeln konnten. Wenn Jugendliche demnach nicht nur verwaltet werden sollen, dann hat eine erfolgreiche Arbeit auch ihren Preis. Und dieser muss in einem deutlich besseren Stellenschlüssel seinen Ausdruck finden.

Zurück zum Inhalt

Links zu allen Newslettern, Pressespiegel und Fachpublikationen


Home   Zurück zur Startseite