Newsletter08

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Bundesagentur für Arbeit beschließt neues Fachkonzept zur Berufsvorbereitung

Jörg Hutter

Die Bundesagentur für Arbeit hat das neue Fachkonzept für die Berufsausbildungsvorbereitung mit Datum vom 12. Januar 2004 in Kraft gesetzt. Dieses Instrumentarium ersetzt die bisherigen berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen und wird ab September 2004 flächendeckend angewandt. Im Vergleich zur bislang von der Arbeitsagentur finanzierten Modellversuchsreihe „Neue Förderstrukturen“ setzt dieses Fachkonzept einige neue Akzente.*)

Berufsausbildungsvorbereitung im Schweriner Ausbildungszentrum: Teilnehmer beim Bestücken einer Platine

Berufsausbildungsvorbereitung im Schweriner Ausbildungszentrum: Teilnehmer beim Bestücken einer Platine

Durchweg zu begrüßen ist die stärkere Gewichtung einer betriebsnahen Qualifizierung durch eine stärkere Orientierung an den Qualifikationsanforderungen der Wirtschaft sowie die Erschließung und Reaktivierung betrieblicher Qualifizierungsangebote durch verstärkte Stellenakquisition (S. 8 des Konzeptes). Diese Schwerpunktsetzung korrespondiert mit dem Arbeitsansatz des hiesigen vom Bildungsministerium finanzierten Modellprojektes „Verzahnung von betrieblicher und außerbetrieblicher Ausbildung“ in besonderer Art und Weise. Derartige Modelle erproben die im Nordverbund engagierten Bildungsträger bereits seit Jahren sehr erfolgreich.

Auf der anderen Seite haben sich die im vorherigen Newsletter skizzierten Befürchtungen bestätigt, nach denen ausgeprägtes Kostensenkungsdenken die fachliche Neuausrichtung überlagert. Somit wird auch gegenüber der Modellversuchsreihe „Neue Förderstruktur“ eine verminderte Förderhöchstdauer von maximal zehn Monaten festgeschrieben (S. 15),  nur noch eine schlechtere Personalrelation gefördert (S. 22) sowie zentral nach der Verdingungsordnung für Leistungen ausgeschrieben (S. 23). Bei einem solchen Procedere ist zu befürchten, dass gegenüber anderen Qualitätsmerkmalen den Preisen der Maßnahmen ein überproportionales Gewicht eingeräumt werden wird. Wenn zudem eine regionale Vernetzung von Bildungsträgern und Beratungsstellen der Jugendberufshilfe eingefordert wird (S. 20), dann kann eine derartige konsortiale Kooperationsform die Jugendlichen nur dann erfolgreich in Ausbildung und Arbeit integrieren, wenn das hierzu nötige Management auch mitfinanziert wird. Die folgenden Beiträge belegen, dass das neue Förderkonzept - fachlich richtig umgesetzt - tatsächlich gute Erfolge erzielen kann.

*) Bundesagentur für Arbeit, „Berufsvorbereitende Maßnahmen — Neues Fachkonzept“, Nürnberg 12.01.2004. [Zurück zum Fußnotenzeichen]

Testmodul Berufsvorbereitung beim Angermünder Bildungswerk 

Kerstin Schneider und Jörn Klitzing

Das Angermünder Bildungswerk e.V. sammelt im Jahrgang 2003/04 erste Erfahrungen mit dem so genannten Testmodul Berufsvorbereitung. Das Arbeitsamt Eberwalde hat die letztjährigen Berufsvorbereitungsmaßnahmen bereits mit Vorgaben ausgeschrieben, die sich stark an der Konzeption der neuen Förderstruktur orientieren. Der berufsvorbereitende Lehrgang gliedert sich in zwei Phasen und zwar in das so genannte Test– und das Aufbaumodul. 48 Teilnehmer/innen haben seit dem 13.10.2003 das Testmodul durchlaufen und sind nach dem 30.01.2004 in die Aufbaustufe Berufsvorbereitung gewechselt.

Testmodul Berufsvorbereitung: Jugendlicher lernt das Berufsfeld Hauswirtschaft kennen

Testmodul Berufsvorbereitung: Jugendlicher lernt das Berufsfeld Hauswirtschaft kennen

Das Testmodul dient in erster Linie dazu, dass sich die Jugendlichen ihres eigenen Berufswunsches vergewissern und eine gefestigte Berufswahlentscheidung treffen. Deshalb beginnt das Testmodul mit einer einwöchigen Diagnosephase, in der die Kompetenzen der Teilnehmer/innen in insgesamt neun verschiedenen Berufsfeldern festgestellt wurden. Zu diesen Berufsfeldern zählten im Einzelnen: Holz, Metall, Elektrotechnik, Garten– und Landschaftsbau, Hauswirtschaft, Farbe und Raumgestaltung, Gastronomie, Bauwirtschaft und Verkauf. Ergänzt wurden diese berufsfeldbezogenen Eignungsfeststellungen durch Tests, welche die berufsübergreifenden Grundqualifikationen wie technisches Verständnis, Teamfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Feinmotorik sowie Präsentationsgeschick ermitteln. Schließlich galt es, auch die Deutsch- und Mathematikkenntnisse zu erfassen.

An der Durchführung dieser Diagnosewoche beteiligten sich alle in die Berufsvorbereitung eingebundenen Kollegen/innen einschließlich der Lehrer /innen der Berufsschule. Nach Auswertung der einzelnen Übungen erstellt das Ausbildungsteam individuelle Kompetenzprofile und entwickelt darauf aufbauende Förderpläne, die im Einzelgespräch mit den jeweiligen Jugendlichen erörtert wurden. Die Jugendlichen hatten dann die Möglichkeit, ihre fachpraktischen Fertigkeiten in jeweils vierwöchigen Bildungsgängen in drei unterschiedlichen Berufsfeldern unter Beweis zu stellen. Förder– und Qualifizierungssequenzen flankierten hierbei die Vermittlung beruflicher Grundqualifikationen.

Testmodul Berufsvorbereitung: Jugendliche demonstriert die Wickeltechnik bei Maler- und Lakierarbeiten

Testmodul Berufsvorbereitung: Jugendliche demonstriert die Wickeltechnik bei Maler- und Lakierarbeiten

Zum Abschluss der vierwöchigen Berufsfelderfahrung unterzogen sich die Teilnehmer/innen eines nach Schwierigkeitsstufen gestaffelten berufsfeldbezogenen Testverfahrens. Das Gesamtergebnis dieses Testmoduls steuert dann den Übergang in die Aufbaustufe, die am 2. Februar des Jahres begonnen hat. Hier sollen die Jugendlichen ihre Kenntnisse und Fertigkeiten in einem Berufsfeld weiter vertiefen und die Arbeitsabläufe in einem Betrieb in Form eines Praktikums kennen lernen. Die Aufbaustufe ist in einzelne Abschnitte gegliedert, in denen die Jugendlichen Teilqualifikationen in Form von Qualifizierungsbausteinen erwerben. Integrationscoaches unterstützen sie zudem bei der Suche nach einem Praktikumsplatz. Ziel ist es, möglichst viele der Teilnehmer/innen gegen Ende der Aufbaustufe am 30.07.2004 auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz vermittelt zu haben.

 

 

 

 

 

Erfolgreich erprobt: Neue Förderstruktur beim Schweriner Ausbildungszentrum

Ute Vatter

Das Schweriner Ausbildungszentrum organisiert seit 2001 die Berufsausbildungsvorbereitung für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf im Rahmen des bundesweit realisierten Modellprogramms „Neue Förderstruktur“. Bei der Umsetzung dieses Programms gelten die folgenden Grundsätze: Die Teilnehmer/innen besuchen die Lehrgänge zu sehr unterschiedlichen Zeitspannen, da sie je nach Bedarf jederzeit neu in Kurse ein– oder aussteigen. Zudem orientiert sich die Förderung an den jeweiligen individuellen Stärken und Schwächen der Jugendlichen. Schließlich kooperieren Behörden, Bildungsträger und Betriebe sehr eng miteinander, damit die Jugendlichen gegen Ende der Förderphase eine betriebliche Ausbildung beginnen können. Die Teilnehmer/innen werden zu diesem Zweck sowohl berufsfachlich qualifiziert als auch berufsübergreifend in der Informationstechnologie und in sozialer Kompetenz gefördert.

Das Projekt gliedert sich in eine maximal sechs Monate dauernde Grundstufe und in eine sich anschließende maximal sechsmonatige Förderstufe oder Übergangsqualifizierung. Die Verweildauer kann hier unterschiedlich lang sein. Bei erhöhtem Förderbedarf besuchen die Jugendlichen einen Lehrgang der erweiterten Förderstufe.

Handlungsorientiertes Bewerbungstraining von den Jugendlichen wechselseitig beobachtet: Szene im Schweriner Ausbildungszentrum

Handlungsorientiertes Bewerbungstraining von den Jugendlichen wechselseitig beobachtet: Szene im Schweriner Ausbildungszentrum

Die Berufsausbildungsvorbereitung beginnt im Schweriner Ausbildungszentrum mit einer maximal vierwöchigen Eingangskompetenzfeststellung. Zu diesem Zweck wählen sie sich drei Berufsfelder aus, in denen sie vorrangig ihr fachliches Können austesten. In diesen Arbeitsfeldern stellen die Teilnehmer/innen dann auch ihr theoretisches Grundwissen, ihre informationstechnologischen Grundkenntnisse und ihre soziale Kompetenz unter Beweis.

Die Lehrkräfte erfassen die Fertigkeiten und Fähigkeiten der Jugendlichen und geben ihnen am Ende dieser Eingangsphase in einem Auswertungsgespräch entsprechende Rückmeldung. Gemeinsam beraten und entscheiden beide Seiten über den weiteren Verlauf des Lehrgangs (Förderplan). Anschließend kann sich jede/r Teilnehmer/in in zwei Berufsfeldern berufliche Grundfertigkeiten aneignen und sich dieses Grundlagenwissen (Qualifizierungsbausteine) entsprechend zertifizieren lassen. Diese Zertifikate können die Jugendlichen in den folgenden Bewerbungsverfahren unterstützend einsetzen.

Der beruflichen Grundqualifizierung schließt sich ein dreiwöchiges Schnupperpraktikum an. Hier sammeln die Jugendlichen erste Erfahrungen in betrieblichen Alltag eines Berufes ihrer Wahl. Die Unternehmen ihrerseits schätzen die Leistungen der Teilnehmer/innen am Ende des Praktikums ein und geben hiermit oftmals wertvolle Hinweise für den weiteren Verlauf des Förderprozesses. Die Erfahrungen in dem Schnupperpraktikum können dazu führen, dass die Betreffenden auf der Basis ihrer Berufswahl weitere berufliche Grundfertigkeiten erwerben (aufbauende Qualifizierungsbausteine) oder eine andere Berufsrichtung einschlagen.

Testmodul Berufsvorbereitung: Jugendlicher beim Bohren mit der Standbohrmaschine

Testmodul Berufsvorbereitung: Jugendlicher beim Bohren mit der Standbohrmaschine

Bei dem gesamten Prozess ist von Bedeutung, dass bei Fortschreibung des Förderplanes die Jugendlichen in etwa fünfwöchigen Abständen ihre beruflichen Möglichkeiten und ihre gesetzten Berufsziele reflektieren. Ein weiteres Praktikum bereitet am Ende des Lehrgangs den Übergang in eine betriebliche Ausbildung vor. Besonders geeignete Teilnehmer/innen wechseln hier bereits in Langzeitpraktika oder direkt in die betriebliche Ausbildung.

Die neue Konzeption der Berufsausbildungsvorbereitung hat sich dank der durchgängigen sozialpädagogischen Begleitung der Jugendlichen, einer an ihren Stärken und Schwächen ausgerichteten individuellen Förderung und einer starken Einbindung der Betriebe in diesem Prozess sehr bewährt. Das Schweriner Ausbildungszentrum konnte weitere Betriebe für die Ausbildung förderungswürdiger Jugendlicher gewinnen. Die Teilnehmer/innen in den Lehrgängen der Berufsausbildungsvorbereitung ließen sich im Jahrgang 2002/03 zu 65 Prozent in Ausbildung vermitteln.

 

 

Schweriner Fachtagung: Gelingende betriebsnahe Qualifizierung - Erfolgsfaktor Qualifizierungsbausteine

[Zur Berichterstattung über die Tagung]

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