Newsletter07

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Bundesweite Neuorganisation der Krankenpflegehilfeausbildung

Ruth Mamerow

Die bisher bundesweit anerkannte einjährige Berufsausbildung Krankenpflegehilfe steht ab dem Jahr 2004 vor einer bundesweiten Neuorganisation. Das im Sommer 2003 verabschiedete neue Krankenpflegegesetz regelt nur noch die dreijährige Krankenpflegeausbildung und überträgt die gesetzliche Regelung der Krankenpflegehilfeausbildung auf die Länder.

Krankenpflegehilfeausbildung: hier Messen des Blutdrucks
Krankenpflegehilfeausbildung bei Jugendbildung Hamburg, hier Ausbilderin und Schülerinnen beim Messen des Blutdrucks

Verlautbarungen der Bundesregierung sowie der Deutschen Krankenhausgesellschaft machen dabei deutlich, dass die Fortführung dieser Ausbildungsform in den Ländern als notwendig und als in hohem Maße wünschenswert betrachtet wird. Denn auf dem Arbeitsmarkt besteht auf Grund der demografischen Entwicklung ein hoher Bedarf an Pflegepersonal mit beruflicher Mindestqualifikation. Ambulante Dienste und Altenpflegeeinrichtungen stehen bereit, eine große Anzahl von ausgebildeten Mitarbeiter/innen für den Pflegebereich einzustellen. Auf der anderen Seite findet sich eine große Anzahl von Jugendlichen, die sich für diese Ausbildung interessieren, aufgrund fehlender schulischer Qualifikation aber keine mehrjährige Ausbildung zur Kranken– oder Altenpflege absolvieren können.

Die einjährige Krankenpflegehilfeausbildung gibt es bei Jugendbildung Hamburg bereits seit mehreren Jahren. Auch eine eineinhalbjährige Ausbildung haben wir bereits erprobt, indem wir Jugendliche für die ambulanten Dienste ausgebildet haben.

Damit im Jahr 2004 jedoch erneut Ausbildungslehrgänge zur Krankenpflegehilfe beginnen können, müssen sich Gesundheits– und Bildungsbehörde noch zu Beginn des Jahres 2004 auf eine Übergangsregelung verständigen. Eine solche Regelung sollte die Ausbildung zur Krankenpflegehilfe in bisheriger Form so lange fortschreiben, bis sich die in Hamburg zuständigen Behörden auf eine Neuorganisation der Krankenpflegehilfe verständigt haben.

Unsere Erfahrungen verdeutlichen, dass diese Form der Ausbildung eine Chance darstellt, ausbildungswillige Jugendliche und ausbildungsbereite Einrichtungen der Kranken– und Altenpflege in großer Zahl zusammen zu bringen. Aufgrund dieser Erkenntnis haben die Länder Nordrhein-Westfalen, Baden Württemberg und Rheinland Pfalz bereits neue Richtlinien für die Weiterführung der Krankenpflegehilfeausbildung ab dem Jahr 2004 erlassen.

Um an der Schnittstelle von Bildungsträger zum Betrieb die Arbeit weiter optimieren zu können, haben wir im Rahmen des Nordverbundes ein spezielles Kompetenzfeststellungsverfahren für die Krankenpflegehilfe im stationären und ambulanten Bereich sowie einen entsprechenden Qualifizierungsbaustein für einen sechswöchigen Vorbereitungskurs, das sogenannte Vorbereitungsmodul, entwickelt. Diese Arbeitswerkzeuge werden in Ansätzen bereits in dem am 15. Juli 2003 gestarteten Lehrgang erprobt und evaluiert.

Krankenpflegehilfeausbildung: hierTraining des Krankentransportes
Krankenpflegehilfeausbildung bei Jugendbildung Hamburg, hier Ausbilderin und Schülerinnen beim Training des Krankentransportes

Organisation der Berufsausbildungsvorbereitung vor dem Umbruch

Jörg Hutter

Derzeit erarbeitet ein Expertenkreis der Bundesagentur für Arbeit ein neues Fachkonzept für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, welches schon im Jahr 2004 flächendeckend eingeführt werden soll. Diese konzeptionelle Veränderung kündigen bereits die im Jahrgang 2003/04 regional stark unterschiedlichen Förderstrukturen an. Um Chancen und Risiken dieser neuen Förderstruktur besser einschätzen zu können, sollen in diesem Beitrag zunächst die derzeit im Nordverbund existenten Lehrgänge der Berufsausbildungsvorbereitung miteinander verglichen werden.

Das klassische Lehrgangskonzept, differenziert nach Maßnahmetypen, finden wir derzeit noch bei Jugendbildung Hamburg und dem Bremer Arbeiter-Bildungs-Centrum (jetzt Bildungszentrum Bremen). Nach diesem weisen die Arbeitsverwaltungen Jugendliche Lehrgängen zu, die auf ein bestimmtes Berufsfeld zugeschnitten sind. Hierbei kann es sich beispielsweise um Grundlehrgänge für die gewerblich-technischen oder die Berufe der Informationstechnologie (IT-Berufe) handeln. Ein solcher Kurs erstreckt sich derzeit auf einen Förderzeitraum von zehn Monaten und ist in mehrere Phasen gegliedert.

Nach einer Eingangsberatung starten diese Lehrgänge in der Regel mit einer Orientierungs– und Motivationsphase. Die Jugendlichen lernen das Berufsfeld durch fachtheoretischen Unterricht und Vermittlung von berufskundlichen Kenntnissen kennen und erhalten je nach Bedarf, der über diverse Verfahren der Kompetenzfeststellung ermittelt wurde, speziellen Förderunterricht in Mathematik, Deutsch und den IT-Grundlagen. Eine Vertiefungsphase mit gezieltem Bewerbungstraining bereitet auf Betriebspraktika vor, die einer nachfolgenden betrieblichen Berufsausbildung den Weg ebnen. Damit diese Übergänge in betriebliche Ausbildung auch gelingen, haben die Partner im Nordverbund spezielle Arbeitstechniken erfolgreich entwickelt und erprobt.

Beim Angermünder Bildungswerk hat das Ende 2003 implementierte „Testmodul Berufsvorbereitung“ dieses relativ starre Lehrgangskonzept bereits aufgelöst. Demnach bleibt zu Beginn der Förderung noch völlig offen, auf welches Berufsfeld sich die Jugendlichen hin orientieren werden. In einer einwöchigen Eingangsphase diagnostizieren Ausbilder und Sozialpädagogen die Stärken und Schwächen der Jugendlichen mit Hilfe unterschiedlicher Testverfahren. Diesen Potenzialanalysen schließen sich jeweils vierwöchige fachpraktische sowie fachtheoretische Erkundungen von verschiedenen Berufsfeldern an. Diese Förderung ist auf einen Zeitraum von dreieinhalb Monate begrenzt. Ob die Arbeitsverwaltung weiterführende Qualifizierungen finanziert, ist derzeit noch völlig offen.

Das Schweriner Ausbildungszentrum erprobt innerhalb einer der 24 bundesweit ausgerufenen Modellregionen bereits seit 2002 die als neue Förderstruktur bezeichneten neuartigen berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen. Damit sich diese stärker an den individuellen Stärken und Fähigkeiten der Jugendlichen orientiert, leiten umfangreiche Kompetenzfeststellungsverfahren die Förderung ein (vier Wochen). Die Eingangsanalyse ist Bestandteil einer bis zu sechs Monate dauernden Grundstufe, in der die Jugendlichen in zwei unterschiedlichen Berufsfeldern erste Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben. Soziales Training und die Vermittlung von IT-Kenntnissen komplettieren diese Grundförderung, die ein betriebliches Schnupperpraktikum abschließt. Eine bis zu sechs Monaten lange Förderstufe oder Übergangsqualifizierung baut auf diesen Grundlagen auf. Die Jugendlichen werden auch dort in zwei Berufsfeldern weiter qualifiziert, wobei einzelne Lerneinheiten den Unterrichtsstoff in abgrenzbare Qualifizierungsbausteine untergliedern. Ein mindestens sechswöchiges Integrationspraktikum bei einem Unternehmen bereitet dann den Übergang in eine betriebliche Ausbildung vor.

Lehrgang zur Vorbereitung der Berufsausbildung

Lehrgang zur Vorbereitung der Berufsausbildung

Diese neue Konzeption der berufsvorbereitenden Maßnahmen haben sich beim Schweriner Ausbildungszentrum durchaus bewährt. Dies liegt u.a. wohl auch daran, dass das gesamte Maßnahmenmanagement der Region überwiegend bei einem Bildungsträger, nämlich beim Schweriner Ausbildungszentrum angesiedelt ist. Wie die Präsentation des Frankfurter Netzwerkes M.O.V.E. (= Motivieren, Orientieren, Verbessern, Eingliedern) auf der Hamburger Fachtagung „Bildungsnetzwerke zur sozialen und beruflichen Integration von Jugendlichen“ im Juni 2003 illustriert hat, kann ein solches Konzept in einer Metropole auch dazu führen, dass sich Bildungsträger bei der Organisation einer derart komplexen Struktur überfordern und in Organisations– und Abstimmungsproblemen verzetteln. Unsere Analyse der Ausbildungsverbünde hat gezeigt, dass konsortiale Kooperationsformen zwischen mehreren Bildungsträgern, wenn sie denn erfolgreich arbeiten sollen, ein fest installiertes Management erfordern.

Derzeit wird das Fachkonzept im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit beraten und entschieden. Die bislang bekannt gewordenen Einzelheiten des Entwurfs haben auch Kritik hervorgerufen, wie etwa der Kommentar von Dr. Henning Schierholz in den Jugendsozialarbeit News aus Dezember 2003 aufzeigt. 1)

Schierholz, dem der Entwurf vorlag, nimmt zuerst anerkennend zur Kenntnis, dass einige der neuen Elemente des Fachkonzeptes in einem bundesweiten Modellversuch (neue Förderstruktur) breit erprobt und evaluiert wurden. Demnach habe es sich bewährt, das vormals starre Lehrgangskonzept aufzulösen und die Förderung stärker an die individuellen Fähigkeiten und den Bedürfnissen der Jugendlichen auszurichten. Um die Orientierung an dem Einzelnen gewährleisten zu können, gliedert sich die neue Lehrgangsstruktur in eine Eingangsphase, in der die Kompetenzen der Jugendlichen festgestellt werden, gefolgt von einer Grund– und Förderstufe und schließt mit einer Übergangsqualifizierung, die in einer Berufsausbildung mündet.

Lobend erwähnt werden zudem die Möglichkeiten zu Individuellen Ein– und Ausstiegen, da die Lehrgänge in zeitlich und inhaltlich abgegrenzte Lerneinheiten, den sog. Qualifizierungsbausteinen, untergliedert worden sind.

Schließlich findet die stärkere betriebliche Ausrichtung der Berufsausbildungsvorbereitung Beifall. Dieser Aspekt stellt ein Strukturelement dar, welches die Bildungsträger im Rahmen des Nordverbundes bereits seit geraumer Zeit implementiert und erfolgreich eingesetzt haben.

Diesen positiven Einschätzungen stellt Schierholz mehrere Pferdefüße und Hypotheken gegenüber. Bedenklich sei, dass das Fachkonzept nunmehr höchst unterschiedliche Zielgruppen förderrechtlich gleich behandelt. Die Förderung von geistig behinderten Menschen soll sich von der ‚marktbenachteiligter‘ Jugendlicher nicht mehr unterscheiden. Zudem verschlechtert sich der zugebilligte Stellenschlüssel drastisch: von derzeit vier Mitarbeiter/innen für 24 bis maximal 30 Jugendliche auf 32 bis maximal 60 Jugendliche. Des weiteren ignorierten die geplanten landesweiten Wettbewerbs-Ausschreibungen die fachlichen Kompetenzen und Zielgruppenerfahrungen der Anbieter. Schließlich sollen alle Lehrgänge nur noch unterjährig, in der Regel mit einer zehnmonatigen Laufzeit, finanziert werden. Nacktes Kostensenkungsdenken konterkariere somit die innovativen und vorwärts weisenden Aspekte des neuen Fachkonzeptes.

Wir hoffen derzeit sehr, dass die Verantwortlichen im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit sowie die ausführenden Stellen der Arbeitsverwaltung die kritischen Stimmen zu einzelnen Aspekten der neuen Förderstruktur Ernst nehmen und die vorgebrachten fachlichen Argumente in ihre zukünftigen Entscheidungen mit einfließen lassen. Denn die in der Arbeit mit besonders förderungswürdigen Jugendlichen erfahrenen Bildungsträger sind stark daran interessiert, dass das im Kern positives Vorhaben auch Erfolg haben wird.

1) Schierholz, Henning, Neues Fachkonzept für Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen: „Drastische Verschlechterung beim Betreuungspersonal“, in Jugendsozialarbeit News, Kurzmeldungen, 8.12.2003. Zurück zur Fußnote

IT-Grundausbildung: Alles Excel oder was?

Dr. Verena Pollmann, Jugendbildung Hamburg
Dr. Verena Pollmann, Ausbilderin bei
Jugendbildung Hamburg

Verena Pollmann

Das Modellvorhaben Nordverbund sowie das aus diesem hervorgegangene Bremer Modellprojekt JINGLE (Jugend ans Internet —Berufsvorbereitung / Grundausbildungslehrgänge) haben sich zum Ziel gesetzt, Lerneinheiten für die Basisqualifizierung im Bereich der Informationstechnologie (IT-Wissen) zu entwickeln und zu erproben. Diese Vermittlung von Grundwissen gliedert sich nach derzeitigem Stand in die drei Qualifizierungsbausteine PC-Einführung,Textverarbeitung und Internet. Alles in sich wichtige Bereiche. Aber – was ist mit Excel?

Das vielleicht vielseitigste Programm, dass die Microsoft-Schmiede je verlassen hat, wird bisher in der Vermittlung von IT-Grundwissen ignoriert. Ist es die Vielseitigkeit, welche die Vorbehalte gegenüber dieser Software schüren? Letztlich haben wir doch alle - mehr oder weniger leidvoll - erfahren, dass wir an diesem Programm nicht vorbei kommen und dass im beruflichen Alltag immer wieder und immer mehr der Umgang damit gefordert wird. Unsere Teilnehmer erwarten in ihrem Berufsalltag Aufgaben wie etwa die Verwaltung von Waren-/Material-Beständen, Preislisten oder Kundendaten. Kaum ein Berufszweig in welchem Grundkenntnisse in der mathematischen Datenverarbeitung und der Prinzipien der Tabellenkalkulation nicht benötigt werden. Und wir enthalten unseren Teilnehmern das Grundwissen um die Anwendung von Excel vor?

Es ist aus meiner Sicht nicht mehr zu begründen, warum dieses Programm in der IT-Grundqualifizierung nicht erscheint. Es macht keinen Sinn einerseits die Din 5008-Bestimmungen zur Erstellung von Geschäftbriefen in den Vordergrund zu heben, andererseits die Notwendigkeit des Umgangs mit einem Tabellenkalkulationsprogramm zu ignorieren. Im Gegenteil: Wenn wir den Jugendlichen wirklich eine beruflich nutzbare EDV-Zusatzqualifikation bieten wollen, müssen die Grundlagen der Tabellenkalkulation Bestandteil davon sein. Und Excel ist zumindest derzeit Standard.

Excel bietet die Möglichkeit, mathematische Fähigkeiten am praktischen Beispiel einzusetzen. Dreisatz oder Prozentrechnung bekommen so einen Praxisbezug und Ergebnisse können auch noch bildlich dargestellt werden. Gründe genug unseren Teilnehmern die Grundlagen zur Verwendung von MS Excel nicht weiter vorzuenthalten und die Vorbehalte gegenüber Filtern, Bezügen, Verweisen und Funktionen in Neugier umzukehren. Dies werden wir bei der weiteren Entwicklung der IT-Basisqualifizierung unter Beweis stellen.

 

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