Newsletter06

Über unsere Arbeit informiert ein mehrmals jährlich erscheinender Newsletter. Zu bestellen sind die Newsletter direkt über unser Online-Formular.

Publikation zu Kompetenzfeststellungsverfahren im Druck

Jörg Hutter

Anfang kommenden Jahres erscheint in der Reihe hiba Weiterbildung der Band „Kompetenzfeststellungsverfahren: Ein Weg zur erfolgreichen Vermittlung in Ausbildung und Arbeit“. In dieser Gemeinschaftsproduktion stellt der Nordverbund vier in der Praxis erprobte handlungsorientierte Verfahren zur Potenzialanalyse vor.

Umschlag Kompetenzfeststellungsverfahren
Titelblattes der Publikation zu
Kompetenzfeststellungsverfahren:
Autor Jörg Hutter, Jugendbildung Hamburg GmbH,
Redaktion Pia Schnadt, heidelberger institut beruf und arbeit

hiba gmbh - heidelberger institut beruf und arbeit

[Im Verlags-Shop  online bestellen]

Dieses Buch versteht sich in erster Linie als eine Praxisanleitung für Lehrkräfte, welche im Rahmen der beruflichen Qualifizierung die Kompetenzen von Jugendlichen ermitteln müssen. Somit richtet es sich an Sozialpädagog/inn/en und Fachlehrer/innen, die in Bildungsträgern Jugendliche mit besonderem Förderbedarf betreuen und unterrichten.

Die Publikation gliedert sich in zwei wesentliche Teile. Ein zum Thema hinführender Bereich erläutert den Stellenwert dieser Verfahren, klärt den Bedeutungsgehalt der verschiedenen Begrifflichkeiten und unterstreicht die Tragweite, welche die sogenannten Softskills insbesondere in den Berufen der Informations– und Kommunikationstechnologie (IT-Branche) eingenommen haben. Schließlich werden die bislang in der Fachliteratur diskutierten Verfahren zur Kompetenzfeststellung miteinander verglichen und dargelegt, warum sich die im Nordverbund zusammengeschlossenen Partner für Potenzialanalyseverfahren mit dem Förder-Assessmentverfahren entschieden haben.

Der Hauptteil des Bandes gliedert sich in vier Abschnitte, die jeweils ein Verfahren en détail vorstellen. Hierbei folgen sie einem einheitlichen Schema. Zunächst wird die Relevanz der jeweiligen Teilkompetenz für die IT-Branche herausgearbeitet. Dann beschreiben wir die entsprechende Übung bzw. den jeweiligen Erkundungsauftrag, die Fallstudie oder das Planspiel.

Danach werden die jeweiligen Kompetenzen definiert und operationalisiert, indem den Beobachtungskriterien eine Reihe von Beobachtungsmerkmalen zugeordnet werden. Es folgt eine genaue Auftragsbeschreibung für die Jugendlichen.

Dem schließen sich allgemeine Hinweise für die Organisation des Arbeitsauftrages an. Im Anschluss daran sind die Anleitungen für die Beobachter/innen abgedruckt. Als nächstes finden sich die jeweiligen Beobachtungsbögen. Der betreffende Abschnitt schließt mit Angaben zur Auswertung der Beobachtung und der Abfassung eines Kurzgutachtens, welches den Ausgangspunkt für die spätere Förderung bilden soll.

Die Bildungsträger haben die einzelnen Verfahren arbeitsteilig entwickelt. Das Angermünder Bildungswerk prüft in seinem Verfahren die Selbstdarstellungskompetenz, welche sich aus den Beobachtungskriterien Selbsteinschätzung und Selbstsicherheit zusammensetzt. Das Bremer Arbeiter-Bildungs-Centrum widmet sich in einer Fallstudie der Problemlösungs– und Präsentationsfähigkeit. Jugendbildung Hamburg wiederum stellt ein Lernspiel zur Team– und Kooperationsfähigkeit vor. Das Schweriner Ausbildungszentrum schließt mit einem Erkundungsauftrag, welcher Selbstständigkeit und Planungsfähigkeit misst.

Da den Jugendlichen nach Auswertung der Beobachtung jeweils persönlich ein Feedback gegeben werden soll, finden sich im Anhang Feed-back-Regeln, die den Lehrkräften als Arbeitsmaterial dienen sollen. Dort sind dann auch die Beobachtungsbögen, Arbeitsanleitungen und Hinweise für die Beobachter/innen als Kopiervorlagen abgedruckt.

Mit der detaillierten Publikation von handlungsorientierten Beobachtungs– und Analyseverfahren betreten wir Neuland — oder wie wir in dem Schlusskapitel schreiben — vermintes Gelände innerhalb der Fachöffentlichkeit von Jugendsozialarbeit und Jugendberufsbildung. Wir setzen uns hiermit bewusst der Kritik von Praktiker/innen und Expert/innen aus, die unsere Verfahren in ihren Einrichtungen erproben können und sollen. Wir meinen jedoch, dass alle in der Bildungsarbeit mit förderungswürdigen Jugendlichen engagierten Träger von einer solchen Auseinandersetzung profitieren können. Um die vorgestellten Verfahren überarbeiten und verbessern zu können, laden wir alle zur Evaluation und kritischen Rückmeldung ein.

Hutter, Jörg (Jugendbildung Hamburg GmbH): Kompetenzfeststellungsverfahren: Ein Weg zur erfolgreichen Vermittlung in Ausbildung und Arbeit, hiba Weiterbildung, Heidelberg, voraussichtliches Erscheinungsdatum Februar 2004, etwa 80 Seiten.

Resultat der Förderung im Nordverbund: Eine statistische Gesamtauswertung

Jörg Hutter

Der Modellversuch Nordverbund, der von September 2000 Formen betriebsnaher Qualifizierung von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf entwickelt und erprobt hat, ist im August 2003 erfolgreich abgeschlossen worden. Diesen Arbeitsansatz werden wir in einem neuen Förderzeitraum bis Dezember 2005 weiter vorantreiben und neben den Berufen der Informationstechnologie (IT-Berufe) auch andere Berufe mit einbeziehen.

An dieser Stelle gilt es jedoch, zunächst einmal Bilanz zu ziehen und anhand von Verbleibanalysen festzustellen, ob unser Arbeitsansatz tatsächlich hält, was er verspricht. Die folgende Analyse fasst die Resultate von drei Jahrgängen an vier Standorten zusammen.

Diagramm 1: Veränderungen der Berufswünsche
Diagramm 1: Festigung der Berufswahlentscheidungen in den berufsvorbereitenden Lehrgängen

Die Lehrgänge der Berufsvorbereitung sollen die Jugendlichen auf ihre Ausbildung vorbereiten, indem diese ihren Berufswahlprozess hinterfragen und ihre Berufswahlentscheidungen festigen. Änderungen von Berufswünschen aufgrund realistischer Einschätzung von Eignung, Interesse und Chancen auf dem Ausbildungsmarkt zählen somit zu den wesentlichen Lernzielen dieser Kurse. Wie das Diagramm 1 illustriert, ist bei den Berufswunschwechseln der folgende Trend ablesbar: Der Anteil derjenigen Jugendlichen, die sich einen Ausbildungsplatz in der attraktiven IT-Branche gewünscht haben, ist von etwa 53 Prozent auf 36 Prozent abgesunken. Profitiert haben von dieser Entwicklung die Dienstleistungs– und sozialen Berufe sowie die gewerblich-technischen Berufe. Wir werten diesen Trend als Beleg dafür, dass die Berufswahlentscheidungen der Jugendlichen gegen Ende der Maßnahmen begründeter und realitätsgerechter erfolgen und hierdurch das Risiko eines Ausbildungsabbruches verringert wird.

Das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen ist in allen vier Arbeitsamtsbezirken, in denen wir tätig sind, nach wie vor problematisch. In Schwerin und Hamburg hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert ( 2,9 bzw. 1,2 Bewerber auf einen freien Ausbildungsplatz, im Vorjahr waren es noch 2,4 bzw. 1 Bewerber). Dagegen lässt sich im Arbeitsamtsbezirk Bremen ein leicht verbessertes Verhältnis von Ausbildungsplätzen zu Bewerbern feststellen (von 1,2 zu 1,1 Bewerber auf einen freien Ausbildungsplatz). Das Arbeitsamt Eberswalde weist für den dortigen Amtsbezirk erneut ein hohes Defizit an betrieblichen Ausbildungsplätzen aus. Das Verhältnis verbessert sich zwar leicht, aber auf nach wie vor hohem negativen Niveau (von 4,6 zu 4,2 Bewerber auf einen Ausbildungsplatz).

Vor dem Hintergrund dieser schwierigen Rahmenbedingungen, die auch die IT-Berufe umfassen, konnten wir im Vergleich zum Vorjahr die Vermittlungen auf betriebliche Ausbildungsplätze nicht wesentlich steigern. Die Quote wuchs nur leicht von 34 auf 35 Prozent. Die im Verhältnis zum Jahrgang 2001 deutlich geringeren Übergänge in betriebliche Ausbildung spiegeln sich auch im Gesamtergebnis wieder, welches das Diagramm 4 zusammenfasst. Immerhin haben insgesamt 39 Prozent der Jugendlichen eine betriebliche Ausbildung beginnen können. Wenn die Übergänge in außerbetriebliche und schulische Bildung hinzuaddiert werden, dann summiert sich die Vermittlungsquote auf 72 Prozent.

Diagramm 2: Frauen- und Männeranteil in den Lehrgängen
Diagramm 2: Frauen– und Männeranteil in den
berufsvorbereitenden Lehrgängen

Diagramm 3: Frauen- und Männeranteil in den betrieblichen Ausbildungsplätzen
Diagramm 3: Frauen– und Männeranteil in den
betrieblichen Ausbildungsplätzen

Aufschlussreich ist schließlich noch die Beantwortung der Frage, ob die jungen Frauen und Männer mit Förderbedarf annähernd die gleichen Chancen haben, einen Ausbildungsplatz in den begehrten Berufen der Informationstechnologie zu erhalten. Da die Arbeitsverwaltungen den Bildungsträgern die Jugendlichen zuweisen, haben die Bildungseinrichtungen keinen Einfluss auf das Geschlechterverhältnis innerhalb der Lehrgänge. Geschlechtergerechtigkeit kann sich daher nur darin manifestieren, dass beide Geschlechter in den berufsorientierenden Lehrgängen in gleichem Umfang und in der gleichen Intensität gefördert werden, also Mädchen wie Jungen in annähernd gleichem Verhältnis betriebliche Ausbildungsplätze erhalten. Wie der Vergleich von Diagramm 2 und 3 veranschaulicht, entsprechen sich die Frauen– und Männeranteile in den Lehrgängen und in der Gruppe der auf betriebliche Ausbildungsplätze vermittelten Jugendlichen. Dieses für uns unerwartete und überraschende Ergebnis zeigt, dass unser Personal tatsächlich effektiv daran beteiligt ist, die Gleichstellung von Frauen und Männern zu verwirklichen.

Diagramm 4: Übergänge am Ende der ausbildungsvorbereitenden Lehrgänge
Diagramm 4: Übergänge am Ende der berufsvorbereitenden Lehrgänge ( Gesamtzahl der Jugendlichen n = 268)

Nachlese zur Hamburger Fachtagung "Bildungsnetzwerke zur Integration von Jugendlichen"

Carmen Wöbcke

Am 24. Juni 2003 hatte die Jugendbildung Hamburg GmbH interessiertes Fachpublikum der Benachteiligtenförderung zur Fachtagung „Bildungsnetzwerke zur sozialen und beruflichen Integration von Jugendlichen“ nach Hamburg eingeladen. Der Nordverbund verabschiedete sich mit dieser eintägigen Veranstaltung von dem Projekt „Betriebsnahe Qualifizierung von Jugendlichen“ und stellte gleichzeitig das seit Anfang des Jahres laufende Modellvorhaben „Verzahnung von betrieblicher und außerbetrieblicher Ausbildung“ vor. Nach der Eröffnung der Tagung führte Paul Füllbier in seinem Impulsreferat das Publikum in einer „rasanten Achterbahnfahrt“ durch die Geschichte der Jugendberufshilfe.

Nordverbund: Im Talk über den Integrationscoach
Im Talk über den Integrationscoach
v. links nach rechts: Hanni Schmieg, Ute Vatter, 
Carmen Wöbcke, Ruth Mamerow und Ute Behrendt

In den anschließend stattfindenden Workshops nahmen die etwa 100 Teilnehmer/innen die Gelegenheit wahr, sich mit den Fachreferenten verschiedener Modellprojekte ausführlich über Erfahrungen in der Netzwerkarbeit zu informieren sowie Vor– und Nachteile dieser Arbeitsform zu diskutieren. Das Resümee, das die Experten Dr. Erhard Schulte, Dr. Jürgen Thiel und Günther Blom in der Schlussrunde der Tagung zogen, machte deutlich, dass berufsbildungspolitisch die Zusammenarbeit in Bildungsnetzwerken nicht nur gefördert, sondern in Zeiten knapper werdender Ressourcen nun gefordert ist. Dr. Thiel verlangte die Auflösung des „Maßnahmedschungels“. Herr Blom warb für einen „Weg fort von institutionellen Vernetzungen“ und ein „Hin zu konzeptionellen Kooperationen“. Die Fachtagung machte deutlich, dass Netzwerkarbeit von allen Beteiligten ein hohes Maß an Engagement voraussetzt. Gleichzeitig bietet sie für Träger und Jugendliche die Chance, Berufsvorbereitung qualifizierter und effektiver zu gestalten.

Abschlussforum: Bildungsnetzwerke zur Integration von Jugendlichen
Beim Abschlussforum
v. links nach rechts: Dr. Erhard Schulte, Dr. Jörg
Hutter, Dr. Jürgen Thiel und Günther Blom

Zurück zum Inhalt


Links zu allen Newslettern, Pressespiegel und Fachpublikationen


Home   Zurück zur Startseite