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Der Integrationscoach ebnet den Weg in den Betrieb

Das Modellvorhaben Nordverbund tritt im Sommer 2003 in eine neue Projektphase. Zum einen wird der Arbeitsansatz neben den Berufen der Informationstechnologie auf andere Berufe ausgeweitet, zum anderen erstreckt sich die Betreuung und Beratung von Jugendlichen und Betrieben über die Phase der Ausbildungsvorbereitung hinaus bis an das Ende der Ausbildungszeit. Ziel des Vorhabens ist es insbesondere, die Lehrgänge der Berufsvorbereitung mit betrieblicher Ausbildung zu verzahnen. Die Verschränkung von
außerbetrieblichen und betrieblichen Qualifizierungsabschnitten soll in letzter Konsequenz dazu dienen, immer mehr Unternehmen als Ausbildungsstätte für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf wieder– bzw. hinzuzugewinnen.

Die Ausbildung ist in diesem Modell gewissermaßen triangulär strukturiert, denn sie findet gleichzeitig an drei Lernorten statt: Neben Berufsschule und Betrieb gesellt sich der Bildungsträger, der bei der Organisation der Ausbildung eine Schlüsselrolle einnimmt. Die Ausbildung zu verzahnen bedeutet daher: Herstellen von Kontakten, Ermittlung beruflicher Anforderungsprofile sowie der Förderbedarfe bei den Jugendlichen, Organisation des Ausbildungsverlaufes, Beratung und Betreuung von Firmen und Jugendlichen, Vermittlung bei Problemen und Schwierigkeiten, fortwährende Erfolgskontrolle und Akquisition von neuen betrieblichen Ausbildungsplätzen.

Diese recht umfangreichen Managementtätigkeiten erbringt ein sogenannter Integrationscoach. Wenn er erfolgreich arbeitet und zahlreiche betriebliche Ausbildungsplätze vermittelt, dann reduziert er durch sein Wirken die Kosten der örtlichen Arbeitsverwaltung. Aus diesem Grund soll im Rahmen des Modellvorhabens mit den jeweiligen Arbeitsverwaltungen verhandelt werden mit dem Ziel, die Arbeitsämter an den Kosten der Integrationscoaches zu beteiligen.

Die Tätigkeitsprofile der Integrationscoaches sind auf die jeweiligen Berufsfelder zugeschnitten. Hierbei orientieren sie sich an den gesetzlichen Regelungen (Rahmenlehrpläne und Vorschriften des Berufsbildungsgesetzes) sowie den jeweiligen betrieblich formulierten Anforderungen. Die in das Modellvorhaben Nordverbund integrierten Berufe werden im folgenden kurz vorgestellt.

Hamburger Krankenpflege-Ausbildung im Verbund

In der Regel findet die Berufsausbildung im Krankenpflegebereich an Krankenpflegeschulen satt, die an Krankenhäuser angegliedert sind. Dies ist in Hamburg anders. Denn hier ist das Projekt Krankenpflegehilfe (KPH) direkt beim Bildungsträger Jugendbildung Hamburg als staatlich anerkannte Krankenpflegehilfeschule angesiedelt. Jugendbildung Hamburg bildet jährlich etwa zwanzig Jugendliche im Beruf Krankenpflegehilfe aus.

Während die fachtheoretische Ausbildung bei Jugendbildung Hamburg stattfindet, erfolgt die fachpraktische Qualifizierung zur Zeit in drei Krankenhäusern. Voraussetzung ist allerdings, dass die Jugendlichen zumindest einen Hauptschulabschluss vorweisen können.

Ausbildung zur Krankenpflegehilfe
Jugendbildung Hamburg: Fachtheoretischer Unterricht im Rahmen der Krankenpflegehilfe-Ausbildung im Verbund

Es ist unverzichtbar, leistungsschwächere Jugendliche auf die besonderen Anforderungen eines Pflegeberufes mit hohen psychischen und physischen Belastungen im Schichtdienst vorzubereiten. Deshalb ist der Krankenpflegehilfe-Ausbildung ein Vorbereitungsmodul vorgeschaltet, das sich in einen dreiwöchigen theoretischen Teil und in ein dreiwöchiges Krankenhauspraktikum gliedert. Die Lehrkräfte beim Bildungsträger entscheiden dann gemeinsam mit den Krankenhausmitarbeitern, welche der Teilnehmer bzw. Teilnehmerinnen in den Ausbildungskurs übernommen werden können.

Die bundesweit anerkannte Berufsausbildung Krankenpflegehilfe endet nach einjähriger Ausbildung mit einer staatlichen Prüfung. Die Vermittlung in Arbeit gelingt nach dem Ausbildungsabschluss in besonderem Maße, weil auf dem Arbeitsmarkt ein hoher Bedarf an Pflegepersonal mit beruflicher Mindestqualifikation besteht. Die Jugendlichen erwerben nicht nur in kürzester Frist einen staatlich anerkannten Berufsabschluss, sondern ihnen gelingt nahtlos der Übergang in Arbeit vorwiegend in Bereichen von ambulanter Pflege, Altenpflegeheimen und Krankenhäusern. Sie haben zudem die Möglichkeit, sich in Richtung einer dreijährigen Ausbildung in Krankenpflege, Altenpflege oder Arzthilfe weiter zu qualifizieren.

Im Rahmen des hiesigen Modellprojektes ist beabsichtigt, das Vorbereitungsmodul inhaltlich weiter auszudifferenzieren, um das Spektrum der Ausbildungsberufe zu erweitern. Neben den Helferberufen (Pflegehilfe, Pflegeassistenz, Krankenpflegehilfe) sollen auch direkte Zugänge zu den Pflegeberufen (Altenpflege, Krankenpflege, Arzthelfer/in) geschaffen werden. Zudem wollen wir den Kreis der Kooperationspartner erweitern, indem neben den Krankenhäusern auch Altenpflegeheime und ambulante Pflegedienste in den Ausbildungsverbund integriert werden.

Angermünder Ausbildungsverbund für Maler/Lackierer

Das Angermünder Bildungswerk e.V. engagiert sich als außerbetriebliche Bildungsstätte in den Handwerks– und Industriekammerbezirken Frankfurt/Oder, insbesondere in der Uckermark und im Barnim. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt neben Weiterbildung und Umschulung in der Ausbildung von leistungsschwächeren Jugendlichen im gewerblich-technischen Bereich.

Ausbildung zum Maler und Lackierer
Angermünder Bildungswerk: Ausbildung zum Maler und Lackierer im Verbund

Im Rahmen dieses Modellversuches soll erprobt werden, an welchen Qualifizierungsschnittstellen die Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf in eine betriebliche Erstausbildung überführt werden können. Die Jugendlichen werden deshalb in einem berufsvorbereitenden Lehrgang für gewerblich-technische Berufe auf den Betriebsalltag vorbereitet, indem ihre Stärken durch ein berufsfeldbezogenes Kompetenzfeststellungsverfahren ermittelt und ihre Schwächen durch zusätzliches Training bearbeitet werden.

Ein Integrationscoach akquiriert parallel hierzu kleine und mittlere Handwerksbetriebe für eine potenzielle Erstausbildung der Jugendlichen. Nach ersten Einschätzungen scheint in der
Uckermark das Ausbildungspotenzial der Betriebe gerade im gewerblich-technischen Bereich noch nicht voll ausgeschöpft zu sein. Hier will das Angermünder Bildungswerk ansetzen: Die konkreten betrieblichen Erwartungen an die Auszubildenden werden systematisch ermittelt, damit den Firmen entsprechend vorqualifizierte Jugendliche als Auszubildende angeboten werden können.

Der Übergang in den Betrieb soll so früh wie möglich erfolgen. Angestrebt wird, dass der Betrieb selbst dann mit den Jugendlichen einen Ausbildungsvertrag abschließt, wenn sie noch einzelne Ausbildungsabschnitte im Angermünder Bildungswerk absolvieren.

Schweriner Ausbildungsverbund für Metallberufe

Anlass zur Gründung eines Ausbildungsverbundes für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf im Bereich der Metallberufe gibt die in Mecklenburg-Vorpommern äußerst unbefriedigende
Versorgung dieser Jugendlichen mit betrieblichen Ausbildungsplätzen.

Die im Rahmen dieses Vorhabens zu etablierende Verbundausbildung setzt voraus, dass ein Integrationscoach neue betriebliche Ausbildungsplätze akquiriert und den Ablauf aller Qualifizierungsabschnitte koordiniert. Damit ein Start in die betriebliche Ausbildung auch gelingt, ist diese mit der vorgelagerten Berufsvorbereitung sinnvoll zu koppeln. Dies wird zum einen durch eine berufsfeldbezogene Kompetenzfeststellung, zum anderen durch betriebliche Praktika in den Lehrgängen der Berufsvorbereitung sichergestellt. Der Integrationscoach fungiert hierbei als Bindeglied zwischen den Lehrgängen beim Bildungsträger und der Erstausbildung im Unternehmen. Er begleitet die Jugendlichen hierbei bis zum Ende ihrer Ausbildung. Die Auszubildenden sind von Beginn an Auszubildende der Unternehmen, welche auch die Ausbildungskosten tragen.

Metallbauer
Schweriner Ausbildungszentrum: Verbundausbildung Metallberufe

Bremer Ausbildungsverbund Mechanik und Elektrik

In Bremen existieren etliche Betriebe, die zwar in eine Ausbildung des neueren Berufes Mechatroniker einsteigen möchten, jedoch nicht über die personalen und sächlichen Ressourcen verfügen, welche die Ausbildungsverordnung im Falle des anspruchsvollen Hybridberufes Mechatroniker verlangt. Das Arbeiter-Bildungs-Centrum ist in der Lage, in einem Lernortverbund diese Ressourcen zu vermitteln und zudem Dienstleistungen im Rahmen von Lernortkoordination, sozialpädagogischer Betreuung und Förderunterricht anzubieten.

Ausbildung zum Mechatroniker
Bremer Arbeiter-Bildungs-Centrum: 
Mechatronikerausbildung im Verbund

Eine spezielle auf das gewerblich-technische Berufsfeld ausgerichtete Ausbildungsvorbereitung soll den förderungswürdigen Jugendlichen den Start in die betriebliche Ausbildung erleichtern. Bei der Ausgestaltung dieser Lehrgänge sollen die Betriebe miteinbezogen werden, indem die jeweiligen betrieblichen Anforderungsprofile und Eignungsvoraussetzungen systematisch erhoben werden.

Die Berufsvorbereitung unterteilt sich nach bisheriger Planung in zwei Bereiche: Herstellen mechanischer Teilsysteme und Installieren elektrischer Betriebsmittel. Diese beiden Qualifizierungsbausteine dienen der Grundlagenqualifizierung für die Ausbildungsberufe Industriemechaniker, Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker und für die verschiedenen Berufe der Elektrotechnik. Begleitet wird dieser Qualifizierungsprozess durch Betriebspraktika in der Berufsorientierung.

Nach Ermittlung der Ausbildungseignung durch ein entsprechendes Diagnoseinstrument sollen die Jugendlichen im Anschluss ihre Ausbildung in einem Betrieb beginnen. Der Kontakt zum Bildungsträger bleibt bestehen, da die Jugendlichen bei Bedarf den sozialpädagogisch orientierten Förderunterricht in Anspruch nehmen können.

Auch an diesem Standort managt ein Integra-tionscoach die gesamte Kooperation. Er akquiriert Betriebe für den Abschluss eines Ausbildungsvertrages, unterstützt die Firmen bei allen Ausbildungsfragen und organisiert die fachliche und sozialpädagogische Betreuung der Jugendlichen.

Ausbildungsverbund IT-Berufe

Alle vier Partner im Nordverbund engagieren sich schon seit dem Jahr 2000 in der betriebsnahen Berufsvorbereitung für die Berufe der Informations– und Telekommunikationstechnologie. Diese Kurse bereiten die Jugendlichen fachtheoretisch auf ihre zukünftigen Berufe vor und binden sie durch Betriebspraktika möglichst frühzeitig in den Betrieb ein. Die Praktika dienen zum einen der Festigung der Berufswahlentscheidung, indem die Jugendlichen eine realitätsgerechte Vorstellung von den Anforderungen des Berufsfeldes gewinnen und diese mit ihren eigenen Erwartungen abgleichen können. Zum anderen erwerben sie betriebliche Erfahrungen und Qualifikationen, da sie fest in betriebliche Arbeitsabläufe eingebunden werden.

it_grundlehrgaenge_2003
An allen vier Standorten: Betriebsnahe Verbundausbildung 
für die Berufe der Informationstechnologie

Die Ausbildungsvorbereitung nimmt in diesem Modell eine wichtige Rolle ein. Die Verknüpfung mit der späteren betrieblichen Ausbildung kann nur dann gelingen, wenn beides inhaltlich und organisatorisch aufeinander abgestimmt ist. Um dieses Ziel zu gewährleisten, werden wir zwei wichtige Arbeitsinstrumente weiter entwickeln: berufsfeldbezogene Kompetenzfeststellungsverfahren, mit deren Hilfe sich die potenzielle Eignung der Jugendlichen feststellen lässt und betriebsnahe Qualifizierungsbausteine, mit denen die Jugendlichen bereits geforderte fachtheoretische Inhalte gewählter IT-Berufe erwerben können. Diese arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen sollen sich auf die Ausbildungsrahmenpläne der jeweiligen Berufe genauso wie auf die von Firmen erwarteten betrieblichen Tätigkeiten beziehen.

Um die Phase der Berufsvorbereitung noch besser mit dem betrieblichen Ausbildungsabschnitt zu verzahnen, sollen zwischen den ausbildungsbereiten Firmen und den Auszubildenden Eingliederungsverträge geschlossen werden, die den Jugendlichen einen späteren betrieblichen Ausbildungsplatz zusichern. Die Bildungsträger ihrerseits garantieren den ausbildungsbereiten Firmen Unterstützung in allen Ausbildungsfragen sowie eine sozialpädagogische Betreuung der Jugendlichen mit Förderbedarf. Falls die Auszubildenden den Lehrstoff in der Berufsschule nicht bewältigen, organisieren sie den notwendigen Stützunterricht.

Die Integrationscoaches begleiten die Jugendlichen somit vom Beginn der berufsorientierenden Lehrgängen bis zur Abschlussprüfung. Die Förderung erstreckt sich deshalb auf einen Zeitraum von etwa vier Jahren.

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