Lernortverbünde

Typologie der Lernortverbünde

Um Betriebe verstärkt wieder als Ausbildungsorte für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf zurückzugewinnen, haben Bildungsträger schon seit Jahren Lernortverbünde gegründet. Die Ausbildung in einem Verbund ist dann gewissermaßen triangulär strukturiert, denn sie findet an drei Lernorten gleichzeitig statt: der außerbetrieblichen Einrichtung eines Maßnahmeträgers, der Berufsschule und dem Betrieb.

Die Jugendlichen sowie die Unternehmer profitieren von einer spezifischen Rollenaufteilung der beteiligten Partner. Während sich die Firmen auf die berufspraktische Unterweisung konzentrieren und die Berufsschulen den berufstheoretischen Unterricht organisieren, gewährleistet der Bildungsträger die sozialpädagogische Betreuung, bietet dem Jugendlichen bei Bedarf Stützunterricht an und berät den Betrieb während des gesamten Ausbildungsverlaufes. Für Firmen zahlt sich besonders aus, dass Bildungsdienstleister die Auswahl der Bewerber vornehmen und eine passgenaue Vermittlung garantieren. Kosten spart schließlich auch das Angebot der Bildungsträger, die Auszubildenden beim Scheitern der betrieblichen Ausbildung zu übernehmen.

Auftragsausbildung
Auftragsausbildung

Hinsichtlich der Struktur und des Aufbaus von Lernortverbünden sind vier verschiedene Organisations– und Finanzierungsformen denkbar: Bei einer Auftragsqualifizierung vergibt ein Stammbetrieb einzelne Ausbildungsabschnitte an andere Betriebe oder Bildungsträger.

Leitbetrieb mit Partnerbetrieben
Leitbetrieb mit Partnerbetrieben

Wenn es sich um das Modell eines Leitunternehmens mit Partnerbetrieben handelt, dann zeichnet ein Partner für die Ausbildung insgesamt Verantwortung, indem er die Gesamtkosten trägt und die Ausbildung phasenweise bei Partnereinrichtungen organisiert. Oftmals fungieren Bildungsträger hier als Leitbetriebe, die die gesamte Ausbildung planen und organisieren.

Ausbildungsverein
Ausbildungsverein

Wenn der Verbund zum Typus eines Ausbildungsvereines zählt, dann haben sich mehrere Unternehmen und Bildungsträger zu einem Verein zusammengeschlossen, der als Ausbilder auftritt und die Ausbildung steuert. Ein typisches Beispiel für einen Ausbildungsverein stellt die in Hamburg erfolgreich agierende „Arbeitsgemeinschaft türkischer Unternehmer und Existenzgründer ATU e.V.“ dar.

Ausbildungs-Konsortium
Ausbildungs-Konsortium*)

Konsortien stellen schließlich komplexere Kooperationsformen dar, denn in diesem Fall handeln mehrere Bildungsträger und ein ganzer Pool von Betrieben gemeinschaftlich. Gleichberechtigte Partner (Firmen und Bildungsträger) tauschen die Auszubildenden zu vereinbarten Phasen aus und
übernehmen anteilig Kosten und Aufwand.

Die hier vorgestellte Typologie stellt somit eine auf die Arbeit der Bildungsträger angepasste Variante dar, indem sie die Bildungsdienstleistungen der Träger in die jeweiligen Verbünde integriert. Sie spiegelt unserer Meinung nach die heutige Realität weit besser wider.

Organisation eines Lernortverbundes                   Zurück zum Inhalt

Die Zusammenarbeit zwischen Bildungsträgern und Betrieben lässt sich aufgrund der vielseitigen Ziele und flexiblen Übergänge zwischen außerbetrieblichen und betrieblichen Abschnitten immer häufiger als ein Konsortium charakterisieren. Diese Kooperationsform wird daher näher vorgestellt.

Der Aufbau eines erfolgreich arbeitenden Konsortiums stellt hohe organisatorische Anforderungen, denn zum einen müssen die Eignungsprofile der Jugendlichen systematisch erhoben und gespeichert werden, zum anderen sind die sich ständig wandelnden Anforderungsprofile der Unternehmen zu erfassen und zu dokumentieren. Das Schweriner Ausbildungszentrum kann hierbei als Pionier gelten, denn dort sind die Strukturen eines Lernortverbundes besonders weit entwickelt und ausgebaut.

Um die Funktionsweise eines Konsortiums zu verstehen, sei deshalb der Schweriner Lernortverbund beispielhaft dargestellt. Das Herz eines solchen Netzwerkes stellt eine sogenannte Steuergruppe dar, die sich aus Vertretern berufsbezogener Teams des Bildungsträgers zusammensetzt. Die sich wiederholenden Arbeitsvorgänge lassen sich in acht Schritte unterteilen:

  1. Mitglieder der Steuergruppe koordinieren für ihren Bereich (Holz, Bau, IT-Bereich etc.) die Ermittlung des Qualifizierungsbedarfes bei den Betrieben. Mit Hilfe einer Checkliste erfassen die einzelnen Mitarbeiter bei Betriebsbesuchen den Bedarf an Aus– und Weiterbildung des Unternehmens und vermerken Zeitpunkt des Kontaktes sowie die jeweiligen Ansprechpartner.

  2. Einzig die Steuergruppe ist befugt, die erhobenen Informationen in eine Firmendatenbank einzugeben, die den Ausbildern oder den sozialpädagogischen Betreuern auf einer Intranet-Plattform zur Verfügung steht und zur Auswahl geeigneter Jugendlicher herangezogen wird. Dem Unternehmen kann dann ein auf den konkreten Bedarf zugeschnittenes Angebot unterbreitet werden.

  3. Der Bildungsträger schließt mit dem Unternehmen einen Vertrag ab, der die von beiden Seiten zu erbringende Leistung spezifiziert. Der Jugendliche bindet sich beim Übergang in betriebliche Ausbildung mit einem Ausbildungsvertrag bei der jeweiligen Firma.

  4. Der Aufbau eines detaillierten Durchlaufplanes konkretisiert den Zeitrahmen und die verantwortlich handelnden Personen.

  5. Die Vertragspartner realisieren die Vereinbarungen. Dabei handeln sie nach dem Prinzip: so viel wie möglich im Unternehmen ausbilden, so viel wie nötig beim Träger qualifizieren.

  6. Im Verlauf und zum Abschluss der Qualifizierungsphase werden die erbrachten Bildungsdienstleistungen über standardisierte Erhebungsbögen erfasst und ausgewertet.

  7. Der Bildungsträger organisiert und begleitet den Erfahrungsaustausch unter den Unternehmen.

  8. Ein aktives Bildungsmarketing, für das alle Kollegen des Schweriner Ausbildungszentrums Verantwortung tragen, entwickelt die bestehenden Vertrauensketten zwischen den Unternehmen und dem Bildungsträger ständig weiter. Hierdurch lassen sich stetig neue Betriebe als Ausbildungsorte für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf hinzugewinnen.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass Ausbildungsverbünde nur dann erfolgreich arbeiten, wenn Bildungsträger zentrale Managementfunktionen wahrnehmen und das Miteinander organisieren.

Weitere Informationen sind erhältlich bei:

Leitung der Schweriner Steuerungsgruppe: Gerd Poloski,
Tel.: 0385-48 02-51, E-Mail: poloski@saz.de;

Projektleiter Nordverbund: Dr. Jörg Hutter, Tel.: 040-29 80 16-80, E-Mail: joerg.hutter@jugendbildung-hamburg.de

*) Die Zeichnungen stammen allesamt aus Schlottau, Walter, Schmidtmann-Ehnert und Reinhard Selka: Ausbilden im Verbund, (Hg.) Bundesinstitut für Berufsbildung, Berlin 1995, S. 19-25.

Mechatronikerausbildung im Lernortverbund
Ausbildung zum Mechatroniker in Bremen: Ein Ausbildungsverbund
zwischen dem
 Bildungszentrum Bremen und der Deutschen Bahn

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